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Die sechs Säulen der Therapie
Während des 6-wöchigen Aufenthaltes wird für alle Patienten ein umfangreiches Therapieprogramm angeboten. Die Telnahme an diesem Programm ist für alle Patienten verpflichtend. Ziel ist es, nach Möglichkeit wieder in ein geregeltes Berufsleben und erfreuliche soziale Verhältnisse zurückzufinden. Das Angebot wird von einem multiprofessionellen Team aus Fachärzten, Psychotherapeuten, Diplompflegepersonal, klinischen Psychologen, Gestaltungs- und Ergotherapeuten, Sport- und Bewegungstherapeuten etc. durchgeführt. Die Fachkräfte der verschiedenen Berufsgruppen arbeiten in Teams zusammen. Diese Teams haben ein gemeinsames Verständnis der Patienten, ihrer Probleme und der Therapieziele. So können die einzelnen Therapieelemente zu einem sinnvollen Ganzen verbunden werden.
1. Psychotherapie
Darunter versteht man die gezielte, überwiegend sprachliche Kommunikation zur Verringerung seelischer Leiden. Die Arbeit an der Beziehung zwischen Patienten und Psychotherapeuten wirkt dabei als Motor der Veränderung. Die Psychotherapie findet in Form von Einzel- und Gruppentherapien statt. Selbstverständlich gehen psychotherapeutische Wirkungen auch von anderen wichtigen Veranstaltungen des Therapieprogramms aus.
Psychotherapie wird von Mitarbeitern durchgeführt, die in den in Österreich anerkannten therapeutischen Methoden, wie beispielsweise Verhaltenstherapie, psychoanalytische Therapie, Gestalttherapie oder auch Transaktionsanalyse, eine Ausbildung haben.
Bei der Aufnahme wird jedem Patienten ein Bezugstherapeut (Arzt oder Psychotherapeut) zugeteilt, der während des gesamten stationären Aufenthaltes für die Betreuung und Koordinierung der Therapie zuständig ist.
2. Psychopharmaka Kaum eine Gruppe von Medikamenten hat in den letzten Jahren eine ähnlich rasante wissenschaftliche Entwicklung durchgemacht wie die Psychopharmaka. Wir unterscheiden dabei Persönlichkeit stützende, strukturierende Medikamente wie die Neuroleptika, die Stimmungslage aufhellende Antidepressiva, Stimmungsstabilisatoren, Schlaf- und Entspannungsmedikamente. Die medizinische Behandlung ist durch eine 24-stündige Betreuung durch Ärzte und dipomiertes Pflegepersonal gewährleistet. Neben erfahrenen Fachärzten aus dem Gebiet der Psychiatrie und Psychotherapie können, bei entsprechender Notwendigkeit, auch Konsiliarärzte aller medizinischen Fachgebiete zugezogen werden.
3. Ergotherapie
Die zu wenig entwickelten oder verlorenen Fähigkeiten, wie zB selbständig zielgerichtet zu handeln oder manuell erfolgreich Werkstücke fertigzustellen, werden in der Ergotherapie trainiert. Von lebenspraktischen Übungen, über handwerkliche Tätigkeiten bis zum gezielten Training von Antrieb, Konzentration und Ausdauer gibt es ein reiches Angebot mit verschiedensten Materialien.
4. Kreative Therapien Die verlorene Melodie des eigenen Lebens, die oft angeschlagene Identität und das Selbstverständnis können durch Tätigkeit mit kreativen Medien wieder gefunden werden. Musizieren spielt dabei eine wichtige Rolle, ebenso wie Malen oder andere kreative Tätigkeiten wie Tanz oder Musik. Das therapeutische Angebot in diesem Bereich ist sehr variabel. Es ist erstaunlich, welche verborgenen Fähigkeiten in fast jedem Menschen durch professionelle Musiktherapeuten, Maltherapeuten etc. geweckt werden können.
5. Körperliche Aktivierung
Die somatisch medizinische Therapie körperlicher Krankheiten spielt dabei genauso eine Rolle wie das körperliche Training. Letzteres reicht von Gymnastik und Sporttherapie bis zu Massagen, Entspannungsbädern und Meditation. Die Weisheit asiatischer Bewegungskunst zur seelischen Heilung wird in Qi Gong und Tai Chi genutzt. Durch die Förderung von Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination wird wieder Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit gefunden, Freude an der Bewegung und am eigenen Körper entdeckt.
6. Gegenseitige Hilfe der Patienten, Sozialarbeit
Erfahrungsgemäß ist das gegenseitige Verständnis der Patienten mit ähnlichen Problemen, ihre Solidarität im Leiden und ihre wechselseitige Unterstützung während der Rehabilitation ein wichtiger Heilfaktor. Dies ist auch mit einer der Gründe, warum die psychiatrische Rehabilitation in familienartigen Kleingruppen von etwa 12 Patienten vorgehalten wird. In diesen Gruppen kann sich der Patient wie in einer Familie geborgen fühlen. Er kann in vielen Gesprächen lernen, wie andere mit psychischen Krisen und Schwierigkeiten umgehen, und umgekehrt seine Lösungsversuche anderen anbieten. Im Sinne einer zunehmenden Emanzipation mündiger Patienten werden die Kräfte der Therapiegemeinschaft während der Rehabilitation ebenfalls genützt. „Empowerment“ lautet das Schlagwort, das die Hilfe zur Selbsthilfe zum Inhalt hat.
Ein altes Eskimosprichwort sagt, dass man einem Hungernden keinen Fisch geben soll, sondern eine Angel, mit der er sich selbst Fische fangen kann. Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist eine starke Kraft in der therapeutischen Gemeinschaft der Patienten und insgesamt einer der Leitsprüche der psychiatrischen Rehabilitation.
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